Eine mystische Reise zu den Bäumen des Jahres
Wenn das Jahr erwacht, beginnt auch unsere Reise.
Wir folgen den Bäumen durch den Wandel der Jahreszeiten – hinaus aus den Wintertagen, hinein in das erste zarte Grün, durch die Kraft des Sommers bis zum goldenen Loslassen des Herbstes.
In dieser besonderen Seminarreihe begegnen wir sechs heimischen Baumwesen dort, wo sie wirklich zu Hause sind: unter ihren Kronen, an ihrem Stamm, in ihrem Lebensraum.
Wir begegnen Hasel, Weide, Erle und Espe im Frühling, folgen der Kiefer in den Frühsommer und schließen den Jahreskreis mit der Lärche im Übergang zum Herbst.
Jeder dieser Bäume trägt seine eigene Geschichte. Seit Jahrhunderten wurden sie verehrt, gefürchtet, genutzt und als besondere Wesen der Landschaft wahrgenommen. Ihre Geschichten reichen tief hinein in Mythologie, Brauchtum und Volksglauben.
Wir tauchen ein in die Mythen und Überlieferungen der Bäume, entdecken ihre kulturelle Bedeutung und betrachten ihre Verwendung in der Volksmedizin und traditionellen Hausapotheke. Doch vor allem geht es darum, den Baum selbst kennenzulernen – mit allen Sinnen und in seinem natürlichen Umfeld.
Denn ein Baum ist nicht nur das, was wir über ihn wissen.
Er ist Erscheinung und Erfahrung.
Wurzel und Krone.
Schutz und Wandel.
Erwachen und Vergehen.
Vielleicht begegnen wir dabei auch unserer eigenen Geschichte im Rhythmus der Natur.
Die Termine und die einzelnen Bäume
Die Erle.
Dort, wo das Wasser das Land berührt, beginnt ihr Reich.
Die Erle wächst mit den Füßen im Dunklen, im Nassen, im Wandelnden – und streckt ihre Krone ins Licht.
Seit Jahrhunderten gilt sie als geheimnisvoller Baum der Schwellen. In alten Geschichten führt ihr Weg hinüber: an die Ufer anderer Welten, zu Wasserwesen, Waldgeistern und den verborgenen Kräften der Natur. Ihre Wurzeln halten sich am Ufer, während ihr Holz im Wasser nicht vergeht.
Auch die Menschen wussten um ihre Kraft. Rinde, Blätter und Knospen fanden ihren Platz in der überlieferten Volksmedizin – zwischen Erfahrung, Pflanzenwissen und dem Glauben an die Heilkraft der lebendigen Erde.
An diesem Tag folgen wir der Erle durch ihre Geschichten.
Wir lauschen dem Wasser, lesen Spuren, berühren Rinde, sammeln Eindrücke und tauchen ein in das alte Wissen rund um diesen besonderen Baum.
Vielleicht zeigt sich die Erle dabei nicht nur als Baum.
Vielleicht wird sie zur Hüterin einer Schwelle.
Zu einer Einladung, für einen Moment das Gewohnte zu verlassen und dem Unsichtbaren näher zu kommen.
Ein sinnlicher Outdoor-Tag zwischen Pflanzenwissen, Mythos und der leisen Magie des Waldes.
Sonntag 28. Februar 2027, 18 Uhr am Hollerhüttenplatz.
Anmeldung erforderlich.
Beitrag € 30,00 inkl. Skript.
Die Hasel
Die Hüterin des frühen Frühlings
Noch bevor der Wald erwacht, beginnt die Hasel zu flüstern.
Wenn die Luft noch nach Winter schmeckt und die ersten warmen Tage nur eine Ahnung sind, hängen ihre goldenen Kätzchen wie kleine Fäden des Lichts in den kahlen Zweigen.
Die Hasel gehört zu den frühen Botinnen des Frühlings – und doch trägt sie etwas Uraltes in sich. Seit jeher ranken sich um sie Geschichten von Weisheit, Schutz, Fruchtbarkeit und verborgenen Kräften. Aus ihren Zweigen wurden Schutzstäbe und Wünschelruten gefertigt – um nach Wasser zu suchen, nach dem Verborgenen und nach dem, was sich unseren Augen entzieht.
Auch in der Volksmedizin war die Hasel eine vertraute Begleiterin. Blätter, Rinde, Kätzchen und Nüsse wurden auf vielfältige Weise genutzt – als Teil eines über Generationen weitergegebenen Wissens über die Kräfte der Pflanzen.
An diesem Tag nähern wir uns der Hasel mit allen Sinnen.
Wir beginnen draußen mit einem bewussten Ankommen und einer kleinen Wahrnehmungsreise. Wir begegnen dem Baum, entdecken seine Knospen, Kätzchen und Spuren und lernen seine botanischen Besonderheiten kennen.
Wir tauchen ein in Mythen, Bräuche und überliefertes Pflanzenwissen, erfahren, welche Rolle die Hasel in der Volksmedizin spielte und warum ihre Zweige seit jeher eine besondere Bedeutung hatten.
Wir sammeln, ertasten und erspüren – und werden selbst kreativ mit dem, was uns die Hasel schenkt. Vielleicht entsteht dabei ein kleiner persönlicher Haselzweig, ein Schutzsymbol oder etwas ganz Eigenes.
Und natürlich darf auch das Geheimnisvolle seinen Platz bekommen: Wir beschäftigen uns mit der alten Tradition der Wünschelrute und erkunden spielerisch, was es bedeutet, sich auf die Wahrnehmung jenseits des Offensichtlichen einzulassen.
Zwischendurch gibt es Raum für Geschichten, Austausch, Stille und eine kleine kulinarische Begegnung mit der Hasel.
Denn die Hasel erinnert uns an eine besondere Zeit:
Das Alte ist noch nicht vergangen. Das Neue ist noch nicht ganz da.
Eine Zeit dazwischen.
Eine Zeit des Erwachens.
Eine Zeit, in der Möglichkeiten wie unsichtbare Samen unter der Erde liegen.
Vielleicht hält die Hasel genau deshalb ihre Zweige so weit über uns – wie eine Hüterin, die etwas bewahrt, bis die Zeit gekommen ist, es ans Licht zu bringen.
Sonntag 14. März 2027, 14 Uhr am Hollerhüttenplatz.
Anmeldung erforderlich.
Beitrag € 30,00 inkl. Skript.
Die Weide
Sie trägt das Wasser in ihrem Wesen.
Die Weide liebt die Feuchtigkeit. Ihre Wurzeln suchen das Wasser tief in der Erde, ihre Zweige neigen sich wie grüne Schleier dem Fließenden entgegen. Sie wächst an Ufern, in feuchten Wiesen und dort, wo das Wasser seine Spuren hinterlässt. Selbst wenn sie fern eines Baches steht, erzählt sie von seiner Kraft: vom Nähren, Wandeln und immerwährenden Kreislauf des Lebens.
Seit jeher ist die Weide ein Baum voller Geheimnisse. In alten Überlieferungen ist sie mit Mond, Weiblichkeit, Fruchtbarkeit und den verborgenen Kräften des Wassers verbunden. Sie gilt als Sinnbild des Wandelbaren – biegsam und nachgiebig, ohne ihre Verwurzelung zu verlieren. Ihre Ruten finden sich im alten Flechthandwerk, ihre Rinde in der traditionellen Pflanzenheilkunde. Ihr Inhaltsstoff Salicin machte sie auch für die Entwicklung moderner Schmerzmittel bedeutsam.
An diesem Tag begegnen wir der Weide als einem Wesen zwischen Erde und Wasser, Verwurzelung und Bewegung.
Wir spüren die Biegsamkeit ihrer Ruten, flechten und verbinden, lassen unter unseren Händen etwas entstehen. Dabei begegnen wir einer uralten Kunst, in der sich die Beweglichkeit der Weide mit menschlicher Gestaltungskraft verbindet.
Wir folgen ihrer inneren Spur – dem Wasser.
Dem Wasser, das nährt und verwandelt.
Das seinen Weg findet, Hindernisse umfließt und dennoch beharrlich bleibt.
Was darf in mir wieder ins Fließen kommen?
Wo darf ich mich dem Wandel anvertrauen?
Und was gibt mir Halt, wenn das Leben in Bewegung ist?
Vielleicht erinnert uns die Weide daran, dass wahre Stärke nicht immer im Widerstand liegt.
Manchmal liegt sie darin, sich zu neigen.
Im Fließen.
Im Vertrauen.
Im tiefen Verwurzeltsein.
Freitag 9. April 2027, 18 Uhr am Hollerhüttenplatz.
Anmeldung erforderlich.
Beitrag € 30,00 inkl. Skript.
Die Pappel/Espe
Kaum ein anderer Baum spricht so deutlich mit dem Wind.
Schon der kleinste Hauch bringt ihre Blätter zum Zittern. Ein silbriges Raunen geht durch die Krone, als würde die Espe etwas erzählen, das sich nicht in Worte fassen lässt. Vielleicht kommt daher ihr alter Beiname: Zitterpappel.
Doch hinter diesem Flüstern verbirgt sich ein Baum mit erstaunlicher Kraft. Die Espe liebt das Licht, besiedelt offene Flächen und kann dort erscheinen, wo ein Wald gerade erst wieder zu werden beginnt. Unterirdisch ist sie oft weit verbunden – neue Bäume können aus ihrem Wurzelsystem hervorgehen und ganze Bestände bilden.
In alten Überlieferungen war die Espe ein geheimnisvoller Baum. Ihr Zittern wurde mit Geistern, unsichtbaren Wesen und den Stimmen der Anderswelt in Verbindung gebracht. Zugleich galt sie als Schutzbaum und wurde mit Wandlung und dem Übergang zwischen verschiedenen Sphären verbunden. Ihr Holz war leicht, weich und vielseitig verwendbar.
Auch in der traditionellen Pflanzenheilkunde hatte die Pappel – zu der die Espe gehört – ihren Platz. Rinde und Knospen wurden wegen ihrer Inhaltsstoffe traditionell unter anderem bei Beschwerden des Bewegungsapparates verwendet.
An diesem Tag lauschen wir dem Flüstern der Espe.
Wir kommen bei dem Baum an, betrachten seine charakteristischen Blätter, Rinde und Knospen und entdecken die botanischen Besonderheiten von Pappel und Espe. Wir erfahren, warum ihre Blätter selbst bei scheinbarer Windstille so lebendig wirken – und was unter unseren Füßen, im verborgenen Wurzelwerk, geschieht.
Wir tauchen ein in alte Geschichten, Volksglauben und Pflanzenwissen: in Erzählungen von Baumgeistern und Zwischenwelten, in die traditionelle Verwendung der Pappel und in die Frage, warum gerade dieser Baum die Menschen seit Jahrhunderten fasziniert.
Dann werden wir selbst still.
Wir lauschen.
Wir beobachten.
Wir unterscheiden die Geräusche des Waldes – und vielleicht auch das, was zwischen ihnen liegt.
In einer kleinen Wahrnehmungsreise öffnen wir unsere Sinne für das Unsichtbare: für Bewegung, Schwingung und die feinen Veränderungen um uns herum.
Was möchte gehört werden, wenn es ganz still wird?
Welche Stimme in mir habe ich lange überhört?
Und was verändert sich, wenn ich nicht sofort verstehen muss, sondern einfach lausche?
Vielleicht ist das Zittern der Espe gar kein Zeichen von Schwäche.
Vielleicht ist es ihre Art, mit der Welt in Beziehung zu bleiben.
Blatt für Blatt.
Windzug für Windzug.
Flüstern für Flüstern.
Sonntag 2. Mai 2027, 15 Uhr am Hollerhüttenplatz.
Anmeldung erforderlich.
Beitrag € 30,00 inkl. Skript.
Die Kiefer
Die Ausdauernde-
Wo andere Bäume zögern, wächst die Kiefer weiter.
Auf kargen Böden, zwischen Sand und Stein, auf sonnigen Hängen und dort, wo der Wind unbarmherzig über das Land zieht, schlägt sie ihre Wurzeln. Ihre Nadeln bleiben grün, wenn der Winter kommt. Ihr Harz verschließt Wunden. Und ihr Duft trägt etwas Weites, Helles und Uraltes in sich.
Die Kiefer ist ein Baum der Ausdauer, der Klarheit und der stillen Lebenskraft. Schon ihr Harz wurde von Menschen seit Jahrhunderten gesammelt und genutzt – als Heilmittel, zum Abdichten, für Salben und als Brennstoff. Nadeln und junge Triebe fanden Eingang in die überlieferte Pflanzenheilkunde, und der aromatische Rauch des Kiefernharzes begleitete vielerorts Räucherungen und rituelle Bräuche.
Vielleicht liegt genau darin ihre besondere Magie:
Die Kiefer bewahrt etwas, während alles um sie herum vergeht.
An diesem Tag begegnen wir ihr mit allen Sinnen. Wir entdecken Nadeln, Zapfen, Rinde und Harz, lernen ihre botanischen Besonderheiten kennen und erfahren, wie Menschen den Baum früher nutzten.
Wir tauchen ein in Volksmedizin, altes Handwerk, Räuchertraditionen und die Geschichten, die sich um die immergrüne Kiefer ranken.
Wir riechen ihr Harz, ertasten ihre Rinde, betrachten ihre Zapfen – und lassen uns von ihrem Duft in eine andere Wahrnehmung führen.
Vielleicht entsteht dabei ein kleines persönliches Räucherwerk oder ein anderes Naturwerkstück. Vielleicht gehen wir ein Stück mit der Kiefer und fragen uns, was es bedeutet, verwurzelt zu bleiben und dennoch dem Licht entgegenzuwachsen.
Denn die Kiefer kennt beides:
Widerstand und Weite.
Tiefe Wurzeln und hohe Kronen.
Winter und immergrünes Leben.
Und vielleicht gibt sie uns genau diese Frage mit:
Was trägt mich, wenn es schwierig wird?
Welche Kraft darf in mir weiterleben?
Und wo lohnt es sich, standhaft zu bleiben?
Die Kiefer antwortet nicht laut.
Sie steht einfach da.
Jahr für Jahr.
Wind für Wind.
Winter für Winter.
Freitag 14. Mai 2027, 16 Uhr am Hollerhüttenplatz.
Anmeldung erforderlich.
Beitrag € 30,00 inkl. Skript.
Die Lärche
Die Meisterin des Loslassens
Im Herbst zieht die Lärche ihr goldenes Gewand aus.
Nadel für Nadel lässt sie gehen, was sie den Sommer über getragen hat. Ein letzter goldener Schimmer liegt in ihrer Krone – dann wird sie still.
Sie ist ein seltsames Wesen unter den Nadelbäumen: Sie bleibt nicht immergrün. Sie vertraut dem Wandel.
Vielleicht liegt genau darin ihre uralte Kraft.
In den Bergen wurde die Lärche seit jeher als besonderer, schützender Baum verehrt. Ihr Harz – kostbar, duftend und wie goldene Tropfen aus dem Stamm tretend – wurde gesammelt und für Salben, Pflaster und andere Anwendungen genutzt. Ihr Holz schützte Häuser vor Wetter und Zeit. Und in den Geschichten der Menschen war sie mehr als nur Baum: ein stiller Begleiter zwischen Mensch, Berg und den unsichtbaren Kräften der Natur.
Die Lärche kennt das Geheimnis des richtigen Zeitpunkts.
Sie hält nicht fest, wenn die Zeit des Loslassens gekommen ist.
Sie widersetzt sich dem Winter nicht.
Sie zieht ihre Kraft zurück – tief in Stamm und Wurzeln.
Und dort, wo äußerlich alles still geworden scheint, beginnt bereits das nächste Werden.
An diesem Tag folgen wir dem Jahreskreis der Lärche.
Wir begegnen ihrem Stamm, ihrer Rinde, ihren Nadeln, kleinen Zapfen und dem Harz. Wir entdecken ihre botanischen Besonderheiten und tauchen ein in altes Pflanzenwissen, alpine Überlieferungen, Volksmedizin und die Geschichten vom schützenden Wesen dieses Baumes.
Wir riechen, ertasten, sammeln und gestalten mit dem, was die Natur uns schenkt. In einer kleinen Wahrnehmungsreise wenden wir uns dem zu, was auch in unserem eigenen Leben nach Veränderung ruft.
Vielleicht schreiben wir auf, was wir nicht mehr brauchen.
Vielleicht geben wir einem alten Gedanken, einer Gewohnheit oder einer Geschichte einen stillen Abschied.
Und dann lassen wir ihn gehen.
Wie eine Lärchennadel im Herbstwind.
Denn die Lärche erinnert uns:
Was fällt, ist nicht verloren.
Was vergeht, macht Platz.
Was still wird, bereitet sich vor.
Unter der winterlich kahlen Krone wartet bereits das nächste Grün.
Vielleicht ist Loslassen gar kein Abschied.
Vielleicht ist es ein Versprechen an das Leben.
Sonntag 10. Oktober 2027, 14 Uhr am Hollerhüttenplatz.
Anmeldung erforderlich.
Beitrag € 30,00 inkl. Skript.
Teilnehmer handeln bei der Anreise und während den Veranstaltungen auf eigene Gefahr und in eigener Verantwortung.
Verantwortlicher der Baumseminare Jürgen Bartenschlager, Allgäuer Wildkräuterführer.